Körpergefühl · Sex · Selbstwert
Solosex als Frau
Ich glaube, Selbstbefriedigung kann für Frauen eine sehr bereichernde Erfahrung sein – körperlich und emotional.
Für einen Moment ist man ganz bei sich, weg von den Gedanken und näher an dem, was der eigene Körper gerade empfindet.
Abgesehen davon, dass es sich schön anfühlen kann, bringt Selbstbefriedigung auch mögliche positive Effekte mit sich: Sie kann Stress abbauen, entspannen, die Stimmung verbessern, beim Einschlafen helfen und bei manchen Frauen sogar Menstruationsbeschwerden lindern.
Für mich ist aber vor allem wichtig, dass man den eigenen Körper besser kennenlernt und vielleicht auch mehr annimmt.
Warum Solosex auch Sex mit anderen verändern kann
Wenn man weiß, was einem gefällt, welche Berührungen sich gut anfühlen und was einem beim Orgasmus hilft, kann man das auch eher kommunizieren.
Man muss dann nicht nur hoffen, dass der Partner oder die Partnerin zufällig das Richtige macht, sondern kann selbstbewusster sagen:
So.
Langsamer.
Mehr davon.
Anders.
Genau das.
Gleichzeitig finde ich wichtig zu erwähnen, dass der Orgasmus nicht das absolute Ziel sein muss. Der Fokus darf vielmehr auf schönen, angenehmen Empfindungen liegen.
Der Gedanke „Ich muss jetzt kommen“ kann schnell Druck erzeugen und einen aus dem Moment holen.
Mein eigener Weg dahin
Bei mir hat es relativ lange gedauert, bis ich überhaupt den Mut hatte, mich intensiver mit meinem eigenen Körper auseinanderzusetzen. Mit 21 wollte ich unbedingt wissen, wie sich ein Orgasmus anfühlt, weil ich bis dahin noch nie bewusst einen erlebt hatte.
Im Nachhinein denke ich manchmal: Wen wundert’s? Wie soll jemand anderes wissen, was mir gefällt, wenn ich es selbst nicht einmal weiß?
Also habe ich mir bewusst Zeit genommen. Ich habe mich ins Bett gelegt, versucht ruhig zu werden und angefangen, meinen Körper von außen zu berühren. Nicht mit dem Anspruch, dass sofort etwas passieren muss, sondern eher mit Neugier:
Was fühlt sich angenehm an?
Wo spüre ich etwas?
Welche Bewegungen lösen etwas in mir aus?
Es hat eine Weile gedauert, bis ich verstanden habe, was mir wirklich Lust bereitet und welche Art von Berührung sich für mich gut anfühlt.
Aber genau das war das Wertvolle daran: Ich habe gemerkt, dass mein Körper kein Rätsel ist, das jemand anderes für mich lösen muss. Ich darf ihn selbst kennenlernen.
Weibliche Anatomie
Bevor ich angefangen habe, mich mit Solosex auseinanderzusetzen, war mir eigentlich nur der vaginale Orgasmus bekannt. Dabei können viele Frauen vor allem klitoral kommen oder brauchen klitorale Stimulation, um überhaupt einen Orgasmus zu erleben.
Das zu wissen, kann sehr entlastend sein. Denn es zeigt: Es gibt nicht den einen „richtigen“ Weg, Lust zu empfinden. Jeder Körper ist anders, und genau deshalb lohnt es sich, den eigenen Körper ohne Druck und mit Neugier kennenzulernen.
Vielleicht beginnt Solosex genau dort:
nicht bei einem Ziel,
nicht bei einer bestimmten Technik,
sondern bei dem Gedanken:
Ich darf meinen Körper selbst entdecken.